Stadtbrauerei
Rother Stadtbrauerei



Die Rother Stadtbrauerei ging aus der alten Brauerei Valentin hervor, der Gründungsfirma der erfolgreichsten Rother Brauerdynastie. Seit dem Mittelalter lag auf vielen Anwesen, vor allem den Gasthöfen um den Rother Marktplatz, eine sogenannte Brauereigerechtigkeit, also die Erlaubnis Bier zu brauen und auszuschenken. Bis um die vorletzte Jahrhundertwende waren etwa ein halbes Dutzend Brauereien übriggeblieben, die die Rother mit Bier versorgten. Am bekanntesten waren die Brauereien Nothelfer in der Münchner Straße, die Brauerei Deyerle bei der ehemaligen Schlosswirtschaft in der Hauptstraße und die Brauerei Rothbarth am Kugelbühl. Alle drei Brauereien betrieben jeweils einen der beliebten Rother Sommerkeller am Kellerweg.
Georg Valentin aus Rothenburg erwarb 1872 den „Goldenen Schwan“ am Marktplatz und nutze das dortige Braurecht zum Aufbau einer erfolgreichen Brauerei. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergrößerte man sich durch einen Neubau in Kauernhofen. Die drei Brauereien Rothbarth, Deyerle und Nothelfer wurden nach und nach von Valentin aufgekauft. Nach dem Ersten Weltkrieg war Georg Valentins Sohn Leonhard der einzige Brauereibesitzer in Roth. Die Inflationsjahre brachten ihn in wirtschaftliche Schwierigkeiten und eine Kooperation mit der Nürnberger Großbrauerei Lederer endete in einem komplizierten Rechtsstreit, während dem der Braubetrieb eingestellt wurde.
Übernahme durch die Stadt Roth
Der Stadtrat und Bürgermeister Robert Groß verfielen nun mit Leonhard Valentin auf die Idee, die Stadt solle die Brauerei erwerben, und am Leben erhalten, was 1924 vertraglich vereinbart wurde. Die Nebenabrede, Valentin könne nach Abschluss seines Prozesses, wenn er wieder die Erlaubnis zum Führen des Betriebes hätte, seine Brauerei zurück erwerben, wurde offensichtlich nur mündlich getroffen. Als Leonhard Valentin nach einem Jahr den Antrag auf Rückkauf stellte, konnte sich seitens der Stadt Roth niemand an eine solche Vereinbarung erinnern. So blieb die Stadt im Besitz einer kommunalen Brauerei, die in ihrer Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg am Standort Kauernhofen über 70 Mitarbeitende beschäftigte. Heinrich Pürner, von 1946 bis 1969 Bürgermeister in Roth, ließ nichts auf „seine“ Brauerei kommen. Warum auch. Schließlich erwirtschaftete sie lange Jahre einen stattlichen Gewinn. Doch nicht nur der Rother Stadtbrauerei, sondern auch Leonhard Valentin war trotz des geplatzten Rückkaufes wirtschaftlicher Erfolg beschieden. Er gründete 1926 mit dem Brauereibesitzer Wagner aus Wassermungenau die Brauerei Wagner und Valentin, die bis Anfang der 1990er Jahre bestand. Beim höchsten Fest der Rother, der Kirchweih, lieferten die Stadtbrauerei und Wagner-Valentin abwechselnd speziell gebrautes Kirchweih-Festbier.
Als es für mittelständische Brauereien immer schwieriger wurde auf dem Brauereimarkt mitzuhalten, zogen sowohl Wagner-Valentin als auch die kommunale Rother Stadtbrauerei die Notbremse. 1993 endete nach 121 Jahren die Ära von Wagner-Valentin. Die 83-jährige Geschichte der Rother Stadtbrauerei ging 2007 zu Ende. Die hohen Investitionskosten für den in die Jahre gekommenen Brauereikomplex in Kauernhofen gaben den Ausschlag für den Verkauf des Traditionsunternehmens. Den Zuschlag erhielt Benno Emslander, der Besitzer der Eichstätter Privatbrauerei „Hofmühl“. Er fungierte bereits seit 2001 als Berater der kommunalen Brauerei.
Das Ende der Brauereigeschichte in Roth
Der Rother Brauereikomplex erwies sich für den neuen Besitzer nicht gerade als Goldgrube. Aufgrund der hohen Brauereidichte in Franken war der Konkurrenzkampf enorm. Nach einem Jahr wurde der Brauereibetrieb eingestellt. Zudem konnte Emslander seine Zusicherung an die Stadt, dem altehrwürdigen Komplex in Kauernhofen einen „gewissen Erlebnischarakter“ zu verleihen, nicht einhalten. Weder eine Kellerbierschwemme noch ein Bier-Museum wurden realisiert. Bis 2009 nutzte Emslander einen Teil der Brauereigebäude noch als Lager, bevor der Komplex schließlich abgerissen wurde. Heute steht an der Stelle ein modernes Wohnensemble mit 50 Eigentumswohnungen.
Quellen:
- „Hopfen & Malz – Brauereien und Wirtshäuser einst und jetzt im Landkreis Roth“, Hans Pühn
- „Roth von A bis Z“, Guido Schmid/Sabine Brem
Erinnerung zum 100-jährigen Jubiläum
Beim Bau des neuen Wohnensembles wurden die Wappen gefunden, die einst das Eingangstor des Stadtbrauerei-Geländes zierten. Mit finanzieller Unterstützung aus dem Erbe von Margarete Schneider, die im Jahr 1992 verstorben ist und sich für die Kultur- und Denkmalpflege in der Kreisstadt einsetzte, konnten sie im Auftrag der Stadt Roth vom Steinmetz- und Bildhauermeister Herbert Weißmüller restauriert und zum 100-jährigen Jubiläum der Stadtbrauerei-Gründung installiert werden. Somit zieren sie heute einen kleinen Park in der Nähe des ehemaligen Brauerei-Geländes.