50 Jahre Städtebauförderung
1976 - 2026: die Stadt feiert 50 Jahre Städtebauförderung
Die Städtebauförderung hat Roth in den vergangenen fünf Jahrzehnten entscheidend geprägt. Seit 1976 konnten 352 Maßnahmen in der Innenstadt umgesetzt werden, die das historische Zentrum sichtbar aufgewertet haben. Zahlreiche Gebäude wurden saniert, Fassaden erstrahlen heute wieder in ihrem ursprünglichen Charakter und stärken das gewachsene Stadtbild.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt die große Bandbreite des Engagements:
164 private Maßnahmen, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre Immobilien modernisiert haben
188 städtische Maßnahmen, die öffentliche Räume, Wege, Plätze und Gebäude verbessert haben
Insgesamt wurden 91 Millionen Euro investiert. Bund und Land unterstützten Roth mit 32 Millionen Euro, zusätzlich förderte die Stadt private Projekte mit 3,9 Millionen Euro. Diese gemeinsame Kraftanstrengung hat die Innenstadt nachhaltig belebt und die Lebensqualität spürbar gesteigert.
Jubiläumsfest zum Tag der Städtebauförderung am 9. Mai
Wir feiern "50 Tage Städtebauförderung" am 09. Mai mit einem großen Fest!
Von 11 bis 16 Uhr lädt die Stadt alle Bürger*innen herzlich zu einem großen Jubiläumsfest in das Foyer der Stadtbücherei im Schloss Ratibor und in den Markgrafensaal ein.
Programm und Höhepunkte
Die Veranstaltung verbindet Rückblick, Ausblick und Mitmachangebote:
Offizielle Eröffnung durch den Bürgermeister
Einordnung der städtebaulichen Entwicklung durch den Stadtbaumeister
Uraufführung eines eigens produzierten Films zur Städtebauförderung
Vorstellung einer neuen Broschüre, die zentrale Projekte und Maßnahmen der vergangenen Jahrzehnte zeigt
Ausstellung mit Stellwänden zu abgeschlossenen Sanierungsgebieten, aktuellen Vorhaben und zukünftigen Entwicklungen
Kostenlose Führungen durch wichtige Bereiche der Städtebauförderung
Präsentation einer digitalen Schnitzeljagd, die per App zu markanten Gebäuden führt
Rahmenprogramm für Groß und Klein
Gemeinsam mit der Stadtbücherei entsteht ein vielfältiges Begleitprogramm:
Pflanzentauschbörse
Bücherflohmarkt zu Bauen, Wohnen und Gartengestaltung
Malwettbewerb für Kinder: „Wie stellst du dir unser Rathaus 2050 vor?“
Freies Bauen mit Riesenlegosteinen
Greenscreen-Fotostation für kreative Erinnerungsbilder
Infostand mit Glücksrad und kleinen Gewinnen
Für das leibliche Wohl ist mit kleinen Speisen und Getränken gesorgt. Das Fest bietet die Gelegenheit, die Entwicklung der Rother Innenstadt zu entdecken, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen Blick auf die Zukunft der Stadtgestaltung zu werfen.
Geschichtsträchtiges Jugendhaus
Nach Fabrikarbeitern und Kirchenbesuchern bevölkert seit 35 Jahren die Rother Jugend das denkmalgeschützte Gebäude im Neuen Gässchen
Mit der Kulturfabrik und dem Jugendhaus liegen zwei Rother Beispiele für eine gelungene Städtebauförderung nur einen Steinwurf weit auseinander. Die beiden Gebäude verbindet zudem eine „leonische“ Vergangenheit. Während die Kulturfabrik schon rein optisch an ihre ehemalige Funktion als Fabrikgebäude erinnert, braucht es schon einige Fantasie, um das heutige Jugendhaus mit dem farbenfreudigen „Outfit“ an seiner neu-barocken Westfassade mit der einstigen Rother Arbeitswelt in Verbindung zu bringen.
Die Vorgängerepochen des heutigen Jugendhauses zeugen vom Wandel des ehemaligen Landstädtchens Roth zu einer modernen Industriestadt. Die Fabrikanten Stieber und Seitz hatten im besagten Gebäude im Neuen Gässchen im 19. Jahrhundert einen Plättsaal zur Weiterverarbeitung von leonischen Drähten eingerichtet, der lange Jahre gute Dienste leistete. Das Fabrikgebäude an der Stieberstraße dagegen wurde erst in den Jahren von 1918 bis 1920 als ein Teil der Leonischen Drahtwerke erbaut und diente bis zum Jahr 1960 dem „mittleren“ Drahtzug. Was bedeutete, dass im Erdgeschoß Drähte von 0,15 bis 1,30 mm gezogen wurden. Im Obergeschoß der heutigen Kufa war die Lackdrahtfertigung mit 15 Emaille- und einem Doppelofen untergebracht.
Während der Umbau einer Fabrikhalle in ein Bürgerhaus (der Kulturfabrik) Ende der 1970er Jahre begann, wurde gut hundert Jahre zuvor aus dem Stieber’sche Plättsaal im Neuen Gässchen ein Kirchenraum für die Rother Katholiken. Johann Balthasar Stieber hatte den „Plättsaal der Fabrik“ den Katholiken zunächst unentgeltlich zur Benutzung überlassen, um ihn der Kirchengemeinde sechs Jahre später dann zu schenken. Im Jahr 1879 erfolgte der Umbau des ehemaligen Fabrikgebäudes zu einem provisorischen Gotteshaus. Dabei entstand die neubarocke Westfassade und ein heute nicht mehr vorhandenes Dachreiter-Türmchen, das die Kirchenglocke beherbergte. Die Ära dieser ersten katholischen Kirche spannte sich über fast zwei Jahrzehnte, ehe die katholische Kirchengemeinde an der „inneren“ Hilpoltsteiner Straße auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei ein neues Gotteshaus errichtete. Beim Einweihungsgottesdienst am 13. November 1898 ertönte auch das Glöcklein aus dem Türmchen am Neuen Gässchen. Übergangsweise genutzt wurde an der Hilpoltsteiner Straße auch die Inneneinrichtung des Betsaals vom Neuen Gässchen.
Neun Jahre vor der Einweihung der neuen Kirche hatte Wilhelm vom Stieber das ehemalige Fabrikgebäude im Neuen Gässchen für 16.000 Mark zurückerworben, um es für Mietwohnungen umzubauen. Die ehemalige Stadträtin Marlene Lobenwein kann sich noch gut daran erinnern, dass in den 1950er Jahren das Erdgeschoß dieses Hauses zum Schleudern von nasser Wäsche genutzt wurde. Viele Rother machten vor allem in der kalten Jahreszeit davon Gebrauch. Eine Trommel geschleuderter Wäsche kostete 50 Pfennige.
Nach den Mietwohnungen samt dem Wäschetrocknen für die Nachbarschaft sollte das relativ schmale Haus im Neuen Gässchen eine weitere neue Bestimmung erfahren. Denn als in den 1980er Jahren in Roth der Wunsch nach einem innerstädtischen Jugendhaus immer lauter wurde, fasste der Stadtrat zu allererst das unter Denkmalsschutz stehende ehemalige Fabrikgebäude im Neuen Gässchen ins Auge. Nach dem Krieg wurde Jugendarbeit in erster Linie von den Kirchengemeinden und Sportvereinen betrieben. Die Stadt selbst bemühte sich ebenfalls und widmete den nicht mehr benötigten Übungsraum des ehemaligen Spielmannszuges der Rother Feuerwehr im Stadtkeller zu einem Domizil für Jugendliche um. Dazu gründete sich der Verein „Jugendzentrum“ (JuZ), der die ihm zugedachten Räume eigenverantwortlich nutzen konnte. Die wenig ansprechende Beschaffenheit der Räume stand zwar im Widerspruch zur idyllischen Lage im Stadtpark, bei den jungen Menschen kam das unbeschwerte Zusammensein und die Möglichkeit, Veranstaltungen zu organisieren, dennoch gut an. Bis 1994 ein Brandunglück den Stadtkeller schwer beschädigte. Dabei wurden auch die damaligen Übungsräume von Rother Jugendbands in Mitleidenschaft zog.
Unabhängig vom Jugendzentrum führten die Aktivitäten der Stadt in Sachen Jugendarbeit Mitte der 1980er Jahre zu einem Jugendbüro, das unter anderem in den Schulferien sogenannte Ferienprogramme organisierte. Ganz oben auf der Wunschliste dieser Anlaufstelle für junge Menschen stand ein Gebäude, das ein ganzjähriges Angebot für Kinder und Jugendliche ermöglichen sollte. Mit dem damaligen Bürgermeister Hans Weiß hatten diese Pläne einen einflussreichen Fürsprecher. Schließlich entschied sich der Stadtrat für den Umbau des inzwischen im städtischen Besitz befindlichen ehemaligen Fabrikgebäudes im Neuen Gässchen zu einem Jugendhaus. Für die Umsetzung brauchte es allerdings einen langen Atem. Umso größer war die Freude, als sechs Jahre nach dem Stadtratsbeschluss die Eröffnung des neuen Rother Jugendhauses erfolgen konnte. Bürgermeister Hans Weiß ließ an diesem denkwürdigen 27. Mai 1991 anklingen, dass die Stadt Roth mit dem 2, 5 Millionen Euro teuren Umbau (1,2 Millionen Euro steuerte die Städtebauförderung bei) ihren Ruf als ausgesprochen jugendfreundliche Kommune einmal mehr bestätigt habe.
Bis heute, 35 Jahre nach der Eröffnung, hat das Rother Jugendhaus gehalten, was sich ihre Fürsprecher von einst versprochen hatten. Die Auswahl an Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche ist größer denn je. Das Spektrum reicht von Kreativkursen über sportliche Events bis hin zu Ausflügen. Außerdem sperrt ein sogenannter offener Treff regelmäßig seine Türen für alle auf, die spontan Lust auf Geselligkeit, Spiel und Spaß haben. Auf der städtischen Freifläche vor dem Jugendhaus können sich zudem die Ballakrobaten unter den Jugendlichen auf einem Basketballplatz austoben. Auch jugendliche Gourmets kommen im Jugendhaus auf ihre Kosten. Immer mittwochs wird gemeinsam gekocht. Zudem wird jeweils montags zu einem Mädchentreff eingeladen.
Wilhelm von Stieber (1846 bis 1915), einer der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der mittelfränkischen Industriegeschichte und großer Gönner Roths, wäre wohl ebenfalls sehr angetan von der heutigen Nutzung des ehemaligen „leonischen“ Fabrikgebäudes im Neuen Gässchen.
Text von Hans Pühn
Stadtmauer-Fragmente bereichern Altstadt-Sanierung
VON HANS PÜHN
Erst erfolgte die Verleihung der Stadtrechte zu Beginn der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, dann die „Befestigung“ Roths durch den Bau einer Stadtmauer. Ein relativ großer Teil dieser aus Sandsteinen gemauerten Befestigung legt heute noch Zeugnis ab von Rother Zeiten, in denen es ratsam war, sich vor feindlichen Angriffen bestmöglich zu schützen. Diesen verbliebenen Relikten aus grauer Vorzeit schenkten die geschichtsbewussten Väter der jüngeren Rother Stadtgeschichte eine hohe Aufmerksamkeit. Die unausweichliche Sanierung des verbliebenen Mauerwerks und der noch vorhandenen Türme wie den sogenannten Diebesturm in der Nähe des Schlosses oder der kreisrunde Pulverturm im Bereich der Johannesklause war zwar alles andere als ein kostengünstiges Unterfangen, doch mit Hilfe der Städtebauförderung konnte auch dieser finanzielle Kraftakt im Rahmen der Altstadt-Sanierung gemeistert werden.
Mit dem Bau der rund sechs Meter hohen und bis zu zwei Meter starken Stadtmauer vor rund sieben Jahrhunderten wurde ein Gebiet mit einer Fläche von insgesamt 5,3 Hektar umschlossen. Die Sandsteinmauer erstreckte sich in Nord-Süd-Richtung über 340 Meter und in Ost-West-Richtung über etwa 200 Meter. Auf der Mauer befand sich ein Wehrgang, der in regemäßigen Abständen Schießscharten aufwies. Als zusätzlichen Schutz hatte man vor der Mauer einen Graben ausgehoben. Den Zugang zur Stadt ermöglichten damals nur zwei Tore, das obere und das untere Tor. Der Unterhalt eines Bauwerks von der Größenordnung einer sehr stattlichen Stadtmauer war für unsere Vorfahren sicherlich kein leichtes Unterfangen. Unter anderem mussten zwischen 1516 und 1521 umfangreiche Erneuerungen vorgenommen werden.
Neben den Schutz der Bevölkerung vor feindlichen Übergriffen hatte die Stadtmauer jahrhundertelang noch eine etwas andere Funktion. Wer damals unabsichtlich gegen das geltende Recht verstoßen hatte, dem wurde innerhalb der Stadtmauern Asyl gewährt. Mit der Einrichtung einer Asylstätte in Roth, die vermutlich im 14. Jahrhundert erfolgte, hatte der Aufstieg der Stadt Roth zu einem der bedeutendsten fränkischen Asylorte begonnen. Allein zwischen 1526 und 1626 fanden in Roth rund 1100 Asylsuchende (meist „Wirtschaftskriminelle“, die ihre angehäufte Schuldenlast nicht mehr bedienen konnten) eine Zuflucht. Die Stadtmauer begrenzte, wie gesagt, den Rother Ayslbereich. Wenn sich ein Asylant außerhalb der Stadtmauern aufhielt, konnte er von seinen Häschern aufgegriffen werden. Daher auch die Bezeichnung „Sieh-Dich-Für-Weg“ für einen Weg, der im Bereich der heutigen Valentins-Passage an der Stadtmauer entlangführte. Übrigens: In diesem Stadtmauerabschnitt bieten heute aufwändig sanierte Sandsteinwände zusammen mit einem kunstwerklich ansprechenden Wasserspiel einen besonders reizvollen Blick auf die Geschichte der Stadt Roth.
Die meisten Asylsuchenden, denen nach der Entrichtung einer Gebühr, den sogenannten Freiungsgulden, das Recht eines zunächst einjährigen Aufenthalts in den Mauern Roths gewährt wurde, stammten aus Nürnberger Handwerksbetrieben und Handelsunternehmen. Aber auch aus dem gesamten deutschen Reichsgebiet und sogar aus dem europäischen Ausland suchten Flüchtende in der Rother Freiungsstätte Schutz. Was sich mitunter auch als Vorteil für die Stadt erwies. So brachte der aus dem Nürnberger Schuldturm geflüchtete Hugenotte Georg Fournier anno 1574 die leonische Drahtherstellung nach Roth. Ein Gewerbe, aus dem letztlich die bis heute in Roth dominierende Drahtindustrie hervorging.
Zurück zur Stadtmauer mit ihren ursprünglich 13 Wehrtürmen, auf denen sich die Wochenposten aufhielten. Mit der Zeit sorgte die Entwicklung neuer Geschütze dafür, dass die Verteidigungsfunktion der Mauer immer mehr abnahm. Als eine Folge davon, ließ die Bereitschaft zum Unterhalt der Stadtmauer mehr und mehr nach. Häufige Teileinstürze der Mauer zeugten im 17. und 18. Jahrhundert davon. In dieser Zeit begann man damit, die der Stadtmauer vorgelagerten Gräben aufzufüllen, um sie dann als Gartenflächen zu nutzen. Ab 1815 schließlich verkaufte die Stadt Teile der Mauer an anliegende Hauseigentümer, denen man sogar erlaubte, die Mauern bis auf eine Höhe von dreieinhalb Metern abzutragen. Inzwischen befinden sich fast alle Relikte der früheren Stadtbefestigung wieder in städtischer Hand. Einige der Mauerteile weisen zudem ihre ursprüngliche Höhe auf. So vermittelt beispielsweise das Teilstück zwischen dem heutigen Standort des Bauamtes und der ehemaligen Kugelbühlwirtschaft einen guten Eindruck von der ursprünglichen Höhe der Stadtbefestigung.
Die einstigen Stadttore (genannt oberes, unteres und neues Tor) dagegen waren im 19. Jahrhundert aufgrund der sich schnell ausdehnenden Stadt und eines beständig ansteigenden Verkehrsaufkommens der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Glücklicherweise gelang der Erhalt von wenigstens fünf Türmen. Zu diesen Zeugnissen früherer Baukunst zählt auch der sogenannte Diebes- oder Judenturm hinter dem Anwesen Hauptstraße 9. Er wurde einst sogar als Verließ genutzt.
Dass auch der Denkmalschutz ein Auge auf die Sanierungsarbeiten der Rother Stadtmauer warf, verrät diese kleine Episode. Als Bauarbeiter in der Nähe der Stadtsparkasse ein Stückchen schadhaftes Mauerwerk der Einfachheit halber mit roten Ziegelsteinen „geflickt“ hatten, kam einen Denkmalschutzbeauftragten die Idee, den gerade mit Sanierungsarbeiten am benachbarten denkmalgeschützten ehemaligen „Hofer-Haus“ beschäftigten Rother Mauermeister Walter Mehl um Rat zu fragen. Mit einem ausgesprochen positiven Ergebnis. Walter Mehl und seine Mitarbeiter versetzten besagtes Mauerstück mit Hilfe von Sandsteinen, die bei Arbeiten am Hofer-Haus aufgetaucht waren, in seinen Urzustand. Bei der Abnahme des Flickwerks fiel es dem Mann vom Denkmalschutz schwer, die ausgebesserte Stelle auszumachen. Mit so viel Hingabe hatten Mehl und Co. die Arbeiten der einstigen Mauererbauer nachvollzogen.
Auf der Denkmalschutzliste der Stadt Roth sind die Reste der einstigen Stadtbefestigung samt ihren noch vorhandenen fünf Türmen mit nicht weniger als 17 Einträgen vertreten. Recherchen des im November 2024 im Alter von 74 Jahren verstorbenen Heimatkundlers Erich Hochreuther, dessen 2009 leider nur in kleiner Auflage erschienenes Geschichtsbuch „Roth am Sand“ eine besonders gelungene Hommage an Alt-Roth darstellt, lassen den Schluss zu, dass beim Bau von Schloss Ratibor im Jahr 1535 auch Teile der Stadtmauer in die Fundamente des Schlossbaus einbezogen wurden.
Gehegt und gepflegt: Schloss Ratibor
Wenn der Stadt Roth etwas „lieb und teuer“ ist, dann Schloss Ratibor. Einerseits wäre Roth ohne Schloss nicht gleich Roth. Andererseits müssen die Stadtväter ziemlich regelmäßig viel Geld in die Hand nehmen, um ein historisches Gebäude dieser Größenordnung, dessen Errichtung durch Georg dem Frommen zwischen 1535 bis 1538 erfolgte, in Schuss zu halten. Allein im vergangenen halben Jahrhundert wurden etliche aufwändige Sanierungen durchgeführt, die jeweils hunderttausende von Euro (beziehungsweise Mark) verschlangen. Mitgetragen wurden die Kosten in den vergangenen fünf Jahrzehnten stets von der staatlichen Städtebauförderung.
Ein Schloss innerhalb der Rother Stadtmauern erbauen ließ der jagdlustige Georg der Fromme, weil er mit seinem umfangreichen Hofstaat regelmäßig die wildreichen Wälder um Roth aufsuchte. In den Jahrhunderten nach Georg dem Frommen wurden zwar wiederholt bauliche Erweiterungen vorgenommen, doch zu einem regelrechten Hofleben mit großen Jagdgesellschaften kam es in Roth nicht mehr. Stattdessen diente Schloss Ratibor markgräflichen Beamten als Verwaltungssitz. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahm das Leben im Schloss eine entscheidende Wende. Das Königreich Preußen, das auf die Markgrafenschaft Brandenburg-Ansbach folgte, verkaufte das Schloss bis auf den Nordtrakt an den Rother Tressenfabrikanten Stieber.
Während Johann Philipp Stieber im Südflügel seine Wohnung einrichtete, nutzte er die übrigen Gebäude (samt dem 1811 erworbenen Nordflügel) für seine Manufaktur. Unter Nachfolger Wilhelm von Stieber nahm die Firma einen beachtlichen Aufschwung. Dem Fabrikanten lag sehr daran, seinen Geschäftserfolg mit einem „standesgemäßen“ Wohnsitz im Schloss zu dokumentieren. Er sorgte für eine prunkvolle Ausstattung, die bis heute zu den bedeutendsten Raumschöpfungen des Historismus in Bayern zählt. Noch während des Zweiten Weltkriegs kam dann die Stadt Roth als neuer Schlossbesitzer ins Spiel. Die Witwe des 1915 verstorbenen Freiherrn Wilhelm von Stieber hatte 1942 das Schloss der Stadt Roth als Schenkung überlassen.
Die Ära von grundlegenden Sanierungen und Umbauten ihres stattlichen Wahrzeichens begann für die Stadt Roth so richtig in den 1970er Jahren. Bereits 1953 hatte man das städtische Museum, das sich vor dem Zweiten Weltkrieg im „Alten Rathaus“ befand, in das Schloss verlagert. Im Rahmen der ersten großen Umbauten wurde der Nordflügel (der sogenannte Marstall) entkernt. Heute beherbergt dieser Teil bekanntlich die Stadtbücherei und den als Sitzungssaal des Stadtrates genutzten Markgrafensaal. In den 1970er Jahren erfuhr zudem die historische Ausstattung im Hauptgebäude und im Südflügel eine umfassende Restaurierung.
Ab 2006 war dann der voluminöse Dachstuhl und die Westseite des Schlosses an der Reihe. Aufgrund der so umfangreichen wie langwierigen Sanierungsmaßnahmen wurde das Schloss mit Planen verhüllt. Viele Schloss-Freunde werden sich wohl noch an diesen surrealen Anblick erinnern. Einfallsreich zeigte sich angesichts des verhüllten Schlosses die Unternehmerfabrik, die die riesigen Plastikplanen flugs für Werbebanner nutzte. Etliche Unternehmer aus Roth und der Umgebung sprangen auf diesen Zug auf. „…wird sind dabei!“, plakatierte beispielsweise auch die Metropolregion Nürnberg. Der Erlös dieser weithin sichtbaren Werbeaktion kam allerdings nicht der Stadt als Kostenträger der Sanierungsarbeiten zu Gute, sondern gemeinnützigen Zwecken.
Die Erneuerung des Dachstuhls und der Fassade im Westflügel kosteten der Stadt rund 1,8 Millionen Euro. 2015 folgte der nächste finanzielle Kraftakt: Die Ratsstuben wurden in ihre heutige Form gebracht. Zugleich musste man den sich gefährlich senkenden Boden des über den Ratsstuben liegenden Prunksaals angeheben. Rund 1,5 Millionen Euro verschlangen alleine diese beiden Maßnahmen. 2022 wurde schließlich der Schlosshof barrierefrei umgestaltet. Karl Schnitzlein, von 2020 bis 2026 dritter Bürgermeister und Beauftragter des Stadtrats für das Rother Schloss Ratibor, hatte am Ende seiner Amtsperiode anklingen lassen, dass wohl als nächstes mit der Renovierung des Süd- und Ostflügels zu rechnen ist. „Ein Konzept dafür gibt es bereits“, erklärte Schnitzlein. Der leidenschaftliche Schlosshofspieler bescheinigte in diesem Zusammenhang seinen Kollegen und Kolleginnen, das Wahrzeichen der Stadt stets mit hohem Augenmerk zu hegen und zu pflegen.
Für ein generelles Problem im Hauptbau von Schloss Ratibor sorgt die kalte Jahreszeit. Derzeit werden nur die Ratsstuben im Erdgeschoss beheizt. Für die Beheizung der oberen Räume wären Kosten zu erwarten, die den Rahmen des finanziell Machbaren sprengen würden. Was die Verhinderung von feuchtem Mauerwerk betrifft, hat man in Roth mit einer sogenannten Temperierleitung eine gute Lösung gefunden, die übrigens bei einer Reihe weiterer Besitzer historischer Gebäude auf großes Interesse stieß. Selbst aus der Partnerstadt Ratibor reiste nach dem großen Oderhochwasser (1997) eine Abordnung an, um den „Rother Weg“ bei der Trockenlegung feuchten Mauerwerks zu begutachten. Um Schimmel und salzigen Ausblühungen vorzubeugen, hatten Fachleute vornehmlich im Museumsbereich im 2. Stock von Schloss Ratibor, hinter den Bodenleisten versteckt, Kupferrohre angebracht, durch die tagein, tagaus gleichmäßig warmes Heizungswasser fließt. „Der erhoffte Effekt hat sich eingestellt“, freute sich auch Kunsthistoriker Guido Schmid, seit über 30 Jahren schon Leiter des Rother Stadt-Museums.
Von Hans Pühn
Vom hässlichen Entlein zum piekfeinen Bürgertreff
VON HANS PÜHN
Als die Planer der Rother Altstadtsanierung den Bereich der Einmündung der Zeughausgasse in die Traubengasse in Angriff nahmen, waren einschneidende Eingriffe in die dortige Bausubstanz nicht zu vermeiden. So mussten im Übergangsbereich der Traubengasse zur Kugelbühlstraße zwei Häuser weichen. Auf der Nordseite fielen Wohnhaus und Werkstatt der ehemaligen Schlosserei von Konrad Scharrer der Abrissbirne zum Opfer. Nach dem Ende der Schlosserei-Ära hatte eine Filiale des Fürther Quelle-Versandhaus als letzter Mieter der Geschäftsräume fungiert. Auf der Südseite wurde ein betagtes Wohnhaus abgerissen, dessen besonderes Merkmal ein überstehendes Obergeschoß war. Mit diesem Kniff hatte man auf ein in diesem Bereich besonders schmales Traubengässchen reagiert. Fuhrwerken und Passanten standen durch diese spezielle Bauweise etwas mehr Platz zur Verfügung.
Der Abbruch des Hauses mit den unterschiedlich breiten Stockwerken ließ das sogenannte Zeughaus, von dem sich höchstwahrscheinlich der Straßenname „Zeughausgasse“ ableitet, verstärkt in den Blickpunkt rücken. Das geschichtsträchtige Haus, das wohl Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde, diente zunächst auch als Aufbewahrungsplatz von Feuerlöschgeräten. Von einer organisierten Feuerwehr war in dieser Zeit noch längst keine Rede. Für den Brandfall standen damals den Altstadtbewohnern nur sogenannte Feuereimer zur Verfügung, die unter einem Dächlein an der Stadtkirche für jedermann greifbar waren. Im 19. Jahrhundert diente das heute unter Ensembleschutz stehende Gebäude dann Tagelöhnern als Unterkunft.
Wenn heute die ehemalige langjährige Stadträtin Marlene Lobenwein bei ihren Stadtführungen vom Haus der Zeughausgasse „Nummer 12“ erzählt, in grauer Vorzeit vom Volksmund als „Steinhaus“ bezeichnet, tauchen hin und wieder Fragen zur Rother Feuerwehrgeschichte auf. Auch damit kann Lobenwein dienen. Sie weiß, dass sich um das Jahr 1860 einige Mitglieder des Rother Turnvereins zusammentaten, um im Brandfalle gezielt helfen zu können. Dieser sogenannten Turnerfeuerwehr folgte 1866 die Gründung einer eigenständigen Freiwilligen Feuerwehr. Ein folgenschwerer Großbrand in der Rother Altstadt war der Auslöser für diesen Schritt. Das erste Feuerwehr-Gerätehaus, heute der Eingangsbereich des neuen Rathaus-Komplexes, entstand unweit des früheren Zeughauses beziehungsweise nur wenige Meter von jener Stelle entfernt, an dem Jahrhunderte zuvor besagte Feuereimer gelagert waren.
Während die Feuerwehr-Episode besagten „Zeughauses“ schon eine ganze Ewigkeit zurückliegt, dürfte sich ältere Rother wohl noch gut an die rund fünf Jahrzehnte lange Geschichte des Hauses als urige Gastwirtschaft namens „Zeughaus-Stüberl“ erinnern. Im Jahr 2004 hatte diese gastliche Ära geendet. Vier Jahre zuvor waren bei einem tragisches Brandunglück im Obergeschoß des Hauses zwei Todesopfer zu beklagen. Nach dem „Aus“ für das Zeughaus-Stüberl nagte an dem Gebäude der Zahn der Zeit immer kräftiger. Ein Relikt Alt-Roth verfiel zusehends. Bis die Stadt Roth Nagel mit Köpfen machte und den Erwerb des Hauses „Zeughausgasse 12“ beschloss. Ein Architekt aus Schwabach wurde beauftragt, die Möglichkeiten auszuloten, einem Stück Alt-Roth wieder zu seiner früheren Würde zu verhelfen. Vor allem der Dachstuhl sei Schrott und müsse abgebrochen werden, stellte der Experte schnell fest. Und weiter: Mit den Zwischendecken sei ebenfalls kein Staat mehr zu machen. Ein Komplett-Abriss allerdings kam für den damaligen Bürgermeister Ralph Edelhäußer nicht in Frage. Mit dem Ergebnis, dass zumindest die Außenwände erhalten blieben.
Nach eineinhalbjähriger Sanierung erstrahlte das einstige Steinhaus dann tatsächlich in neuem Glanz. Im Erdgeschoß hatte man einen Raum mit rund 70 Quadratmetern Nutzfläche geschaffen, der als sogenannter „Bürgertreff im Zeughausstüberl“ von Vereinen, Jugendgruppen und Organisationen wie Parteien kostenfrei genutzt werden kann. Nicht jeder der rund 170 Rother Vereine habe verfügbare Räume, warb Bürgermeister Edelhäußer bei der Einweihung des generalsanierten Hauses im Jahr 2020 für die modern ausgestatten Räumlichkeiten im Erdgeschoss. „Diese Lücke haben wir mit unserem Bürgertreff geschlossen“. Im per Hebe-Aufzug ebenfalls barrierefrei erreichbaren Obergeschoß hatte man Büroräume für die Bereiche Stadtplanung und Städtebauförderung sowie ein Besprechungszimmer untergebracht.
Die Städtebauförderung hatte sich mit 270.000 Euro an der Finanzierung dieser mit 1,12 Millionen Euro, nun ja, doch alles andere als kostengünstigen Variante eines städtebaulichen Vorzeigeprojekts beteiligt. „Wir wollten mit gutem Beispiel vorangehen“, erklärte Edelhäußer bei der Eröffnungsfeier, „schließlich kann die Stadt nicht immer nur von Hauseigentümern Sanierungsmaßnahmen erwarten“.







